Article Spinning

Article Spinning ist das „Neuspinnen“ von Texten, also ihre Umformulierung, um Inhalte beizubehalten, aber trotzdem aus Sicht einschlägiger Textprüfungstools Unique Content (einzigartigen Inhalt) zu schaffen. Die Suchmaschinenalgorithmen von Google & Co. überprüfen nämlich, ob irgendwo Duplicate Content auftaucht, der von anderen Webseiten einfach kopiert wurde. Dieser beschädigt das Nutzererlebnis und verletzt Urheberrechte, weshalb Seiten mit Duplicate Content abgestraft werden.

Dennoch erscheint es aus Sicht vieler Webmaster und ihrer Autoren sinnvoll, auf einen bereits bewährten Inhalt zurückzugreifen: Besser können sie das Thema auch nicht anfassen. Daher setzen sie Article Spinning ein, wofür es spezielle Software gibt. Gerade für Satellitenseiten, die eigentlich vorrangig Backlinks liefern sollen, aber für Google halbwegs sinnvollen Content aufweisen müssen, erscheint das effizient: Der Webmaster benötigt für seine OffPage-SEO sehr viele solcher Seiten. Spinning ist daher viel preiswerter als das Beauftragen von Autoren, welche die Texte umschreiben.

Zwei Möglichkeiten beim Article Spinning

Es gibt die beiden Varianten, Worte im Text durch Synonyme zu ersetzen oder sie umzustellen. Duplicate Content wird von den Textprüfungstools ab einer bestimmten Zahl von Wortwiederholungen erkannt. Diese Zahl lässt sich einstellen. Welche Werte bei Google gelten, ist nicht bekannt. Textagenturen verwenden in der Regel das Tool CopyScape und stellen einen Wert zwischen vier bis sieben Worten ein, um die Texte ihrer Autoren auf Duplicate Content zu überprüfen. Schauen wir uns die beiden Möglichkeiten anhand des folgenden Satzes an: „Die Suchmaschinenoptimierung ist aufgrund vieler Google-Updates inzwischen deutlich komplexer geworden.“

  • #1 Synonymisierung: Die Suchmaschinenoptimierung ist wegen vieler Google-Updates unterdessen klar komplexer geworden.
  • #2 Wortumstellung: Aufgrund vieler Google-Updates ist die Suchmaschinenoptimierung inzwischen viel komplexer geworden. (Hier wurde ein Wort ersetzt, nämlich deutlich durch viel.

Die Synonymisierung, welche ein Spinning-Tool anbietet, hat in diesem Fall den Nachteil, dass sie zu einer ungewöhnlichen Formulierung gelangt, nämlich „… ist ... unterdessen klar komplexer geworden.“ Das Wort „unterdessen“ würde ein Mensch nicht verwenden. Die Umstellung #2 stammt von einem Menschen und klingt natürlicher.

Vor- und Nachteile des Article Spinnings

Der Vorteil besteht darin, dass Article Spinning aus einem Artikel sehr viele weitere mit zwar redundantem (wiederkehrendem), aber aus Sicht der Googlealgorithmen einzigartigem Inhalt schafft. Das ist bedeutsam, wenn eine Homepage aus zahllosen Blogartikeln Backlinks für die OffPage-SEO erhalten soll. Als Anhaltspunkt: Webmaster, die auf diese Weise SEO betreiben, verlinken häufig von ~200 Satellitenseiten aus auf die Hauptseite. Wenn sie hierfür das Article Spinning verwenden, ist ihre SEO sehr effizient.

Der Nachteil besteht darin, dass die Texte zumindest bei der Synonymisierung, welche die Spinning-Tools vorrangig verwenden, häufig sehr unnatürlich klingen. Dadurch wenden sich die Leser ab, was die Verweildauer auf den betreffenden Seiten senkt bzw. die Bounce Rate (Absprungrate) erhöht, was wiederum schlecht für die SEO ist. Es ist auch möglich, dass die Synonymisierung den Sinn des Textes verändert. Dieses Problem entsteht bei partiellen Synonymen. Das sind Wörter, die nicht in jeder Bedeutungsvariante übereinstimmen.

Ein Beispiel wäre „Herr“ und „Mann“. Die Spinning-Tools werden zwar immer besser und können inzwischen Wörter im Bedeutungszusammenhang erkennen, doch grundsätzlich bleiben diese Probleme bestehen.

Wo lassen sich gespinnte Artikel einsetzen?

Article Spinning funktioniert für Blogbeiträge, die der Webmaster auf eigenen Blogs einstellt, die im Grunde im Greynet (dem grauen, wenig sichtbaren Teil des Internets) verschwinden und bloße Backlinklieferanten sind. Für eine Homepage, einen Onlineshop und auch ein Presseportal, das eine redaktionelle Überprüfung von Textbeiträgen vornimmt, sind sie gänzlich ungeeignet. Es gibt allerdings Webmaster, die gespinnte Artikel auch auf Landingpages einsetzen, die nahezu identischen Content für ein Gutschein-, Job- oder Lieferdienstportal benötigen.

Der Leser erkennt allerdings in der Regel das Spinning, auch wenn sich Laien den seltsamen Duktus dieser Texte nicht erklären können. Es bleibt der Nachteil erhalten, dass der gestörte Lesefluss die Bounce Rate deutlich erhöhen kann. Vom Grundsatz her gilt: Article Spinning eignet sich am ehesten für Seiten, die Backlinklieferanten sind, aber wegen der Vorgabe der Googlealgorithmen, sinnvollen Content anzubieten, mit eben diesem befüllt werden müssen.

Article Spinning vs. Urheberrecht

Inwieweit das Article Spinning das Urheberrecht verletzt, wenn der Ausgangstext von einem anderen Autoren stammt, ist eine heikle und schwierig zu beantwortende Frage. Im deutschen Recht (und dem vieler anderer Länder) betrachtet das Urheberrecht die sogenannte Schöpfungshöhe. Das bedeutet, geistige Urheberschaft ist dann gegeben, wenn ein Autor einen wirklich neuen Gedanken geäußert hat. Dies zu beurteilen ist im Streitfall eine Aufgabe für Fachleute.

Dieser Streitfall tritt bei einfachen Texten, die Backlinklieferanten sind und sich um eher banale Themen drehen, kaum jemals auf. Der gespinnte Artikel wird durch die Textprüfungstools nicht gefunden, es entsteht daher kein Streit. Um aber alle Eventualitäten in dieser Hinsicht auszuschließen, empfiehlt es sich, den Ausgangstext selbst zu schreiben bzw. von einem Autoren schreiben zu lassen, der die Urheberschaft an den Webmaster abtritt (bei Textagenturen ein übliches Vorgehen). Dann darf der Webmaster als Urheber des Textes mit diesem machen, was er möchte.

Article Spinning vs. Kreativität

Das Article Spinning ist natürlich das Gegenteil von Kreativität. Die Frage ist jedoch, inwieweit Kreativität bei Produktbeschreibungen oder Alltagsthemen nötig ist. In zahllosen Bereichen wird Content ohnehin gespinnt, wenn auch nicht immer von automatischen Tools, sondern von Autoren. Der Webmaster muss selbst entscheiden, ob ein bestimmtes Thema Kreativität benötigt: Dann sollte er einen kreativen Autoren beauftragen (oder den Text selbst schreiben). In vielen Fällen darf Article Spinning aber unter diesem Blickwinkel als legitim erscheinen.

Können die Suchmaschinenalgorithmen gespinnte Texte wirklich nicht erkennen?

Diese Frage wird im Jahr 2021 von SEO-Fachleuten heiß diskutiert. Wenn die Algorithmen übliche Textprüfungstools einsetzen, erkennen sie das Spinning wahrscheinlich nicht. Wenn aber die Entwicklung wirklich hin zu einer semantischen Textprüfung läuft, wonach es aussieht, könnte es möglich sein, dass die Algorithmen synonymisierte Texte erkennen.

Fachleute vermuten auf jeden Fall, dass inzwischen die Duplikatsprüfung auch mit zahlreichen linguistischen Faktoren stattfindet und dass Synonymisierungen identifiziert, Wortumstellungen hingegen noch nicht erkannt werden. Das würde bedeuten, dass die gängige Software für das Article Spinning, die sich der Synonymisierung bedient, inzwischen an ihre Grenzen stößt.

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