Google Suggest

Google Suggest oder Autocomplete ist die Vorschlagssuche: Wenn wir einen Suchbegriff beginnen einzugeben, ergänzt ihn die Suchmaschine automatisch und schlägt das vor, wonach wir möglicherweise suchen wollten. Das ist manchmal hilfreich und manchmal lästig, denn nicht immer rät das Tool richtig.

Es gibt auch gleich eine Schätzung zur Trefferzahl für die betreffenden Vorschläge ab. Sein Name kommt von englisch to suggest = vorschlagen, wobei die Google-Manager den Begriff Predictions (Vorhersagen) bevorzugen. Im englischssprachigen Netz wurde die nicht unumstrittene Funktion ab 2004, im deutschsprachigen ab 2009 zur Verfügung gestellt.

Vorteile durch Suggest bzw. Autocomplete

Für den Nutzer spart die Funktion zunächst Zeit. Ein weiterer Vorteil ist nicht zu unterschätzen: Die suchende Person sieht, welche Suchanfragen zum betreffenden Begriff andere Nutzer am häufigsten eingeben, was zu gewissen Inspirationen führt. Dies hat für Onlinevermarkter SEO-technische Vorteile und ist für den gewöhnlichen User wie gesagt inspirierend, woraus aber auch ein gewichtiger Nachteil resultiert: Bei der Suche nach Personen werden unter Umständen für eine Person schädliche Vorschläge angezeigt, die schon Gegenstand von Rechtsstreitigkeiten wurden (siehe weiter unten).

Wie funktioniert Google Suggest prinzipiell?

Die Vorschläge basieren

  • auf den Suchanfragen aller Nutzer zum betreffenden Begriff und
  • und auf den eigenen Suchanfragen von denjenigen Nutzern, die einen Google-Account führen.

Für Letztere speichert die Suchmaschine den Verlauf. Damit sehen die User mit Google-Account, wonach sie früher schon einmal gesucht haben. Das gilt durchaus als sehr nützlich. Die Algorithmen, auf welche sich die Vervollständigungen stützen, beziehen Faktoren wie die Aktualität der betreffenden Begriffe und die Häufigkeit der Suche danach ein.

Daraus resultiert auch, dass in selteneren Fällen das Suggest-Tool keine Vervollständigungen zeigt. Dann ist der eingegebene Suchbegriff sehr neu und/oder weist bislang zu wenig Traffic auf. Erweiterungen von Suchbegriffen, die gegen die allgemeinen Richtlichtlinien des Suchmaschinenbetreibers verstoßen würden, gibt es nicht.

Technische Basis von Autocomplete

Technisch basiert Suggest auf der Ajax-Technologie. Diese ermöglicht es, Daten ohne erneuten Seitenaufruf im Browser zu übertragen. Ajax überträgt jeden getippten Buchstaben im Background zum Server, welcher das Ergebnis wieder an den Browser sendet, der es für den Nutzer live anzeigt. Der Vorgang startet mit jedem getippten Buchstaben neu. Daher passen sich die Vorschläge während des Tippens realtime an. Ajax ist ein Akronym aus Asynchronous JavaScript & XML.

Die asynchrone Datenübertragung zwischen Browser und Server ermöglicht es, während der Anzeige einer HTML-Seite gleichzeitig HTTP-Anfragen durchzuführen. Diese ändern die Seite, ohne sie vollständig neu zu laden. Für Ajax kommen die Webtechniken

  • HTML oder XHTML,
  • DOM (Document Object Model),
  • JavaScript und
  • XMLHttpRequest-Object

zum Einsatz. Eine weitere Transportmethode wäre On-Demand-JavaScript. Diese fordert per DOM-Manipulation eine JavaScript-Datei an. Der Aufruf von Ressourcen, Methoden (APIs) und Funktionen erfolgt via REST (klassische HTTP-Techniken), SOAP (Methoden- und Parameterübertragung via XML-Dokument), JSON (textbasiertes Format für JavaScript), CSS (für die Formatierung der Webseite) und XSLT für die Datentransformation.

Ajax wurde durch einen Techniker im Jahr 2005 erstmals begrifflich so benannt, doch die Technologie gab es früher schon: Man beschrieb sie mit XMLHttpRequest. Ab 2005 bezog man allerdings die weiteren genannten Technologien mit ein. Ein Vorläufer war eine Remote-Scripting-Komponente, die Microsoft schon ab Mitte der 1990er-Jahre entwickelt hatte und die das Outlook-Web-Access-Team später verfeinerte und in den Microsoft Exchange Server überführte. Sie wurde Bestandteil des MS Internet Explorers 4.0.

In den Augen mancher Experten ist schon Outlook-Web-Access der erste erfolgreiche Vertreter des Ajax-Konzepts, auch wenn nicht immer das XMLHttpRequest-Objekt verwendet wurde. Yahoo Mail verwendete ebenfalls schon sehr früh Ajax, Google übernahm es dann für Groups, Maps, Suggest, Gmail und Finance.

Das W3C-Konsortium war spätestens ab 2010 bemüht, Ajax-Technologien zu standardisieren. Ein Ergebnis dieser Bemühungen ist der inzwischen etablierte Kommunikationsstandard SOAP. Mit diesem ist es möglich, auf einem Server diejenigen Anwendungen wiederzuverwenden, die schon auf Webservices basieren. Wichtig für die User ist das Verständnis der Ajax-Technologie deshalb, weil Suggest den Eindruck erwecken kann, dass die Vervollständigung ihrer Suchanfrage auf dem eigenen Rechner oder Smartphone stattfindet.

Das kann unterschwellig die Sorge auslösen, dass die Suchmaschinenalgorithmen die eigenen Geräte ausspähen. Das ist aber nicht der Fall. Die Ergänzungen der eigenen Eingaben finden immer auf dem Server statt, an den die Anfrage gerichtet wird (sogenanntes Request-Response-Paradigma, also grundsätzliches Frage-Antwort-Schema).

Vorteile von Suggest für die Suchmaschinenoptimierung

Mit Suggest bzw. Autocomplete können (wie vorn erwähnt) Onlinevermarkter sehen, was zu einem bestimmten Keyword für Suchanfragen auftauchen. Es empfiehlt sich für diese Recherche,

  • entweder nur die Ergebnisse der ersten eigenen Anfrage zu beachten oder
  • sich aus dem eigenen Google-Konto abzumelden oder
  • eine andere Suchmaschine wie etwa Bing zu benutzen.

Das ist wichtig, weil ansonsten die Ergebnisse der eigenen Ergänzungen zum ersten Stichwort immer wieder neu auftauchen: Diese zeigt Suggest bevorzugt an. Mit den genannten Methoden jedoch ist es möglich, relativ direkte Ergänzungen von anderen Suchenden zu diesem Keyword zu entdecken.

Kontroversen zu Suggest

Wie eingangs erwähnt hat Suggest auch Nachteile. Einer dieser Nachteile ist alltäglich: Viele der Vorschläge bringen dem Nutzen nicht wirklich viel. Doch damit lässt sich leben, denn mit jedem Buchstaben, den der User neu eintippt, wird der Vorschlag verfeinert. Dass die eigenen vorherigen Suchen zum betreffenden Keyword wieder auftauchen (auch wenn sie Tage, Wochen und Monate zurückliegen), darf ebenfalls als durchaus hilfreich bezeichnet werden.

Prekär ist jedoch, dass die Vorschläge, die nicht aus der eigenen Suche stammen, manchmal eine andere Person (nach der wir gerade suchen) beschädigen können. Für uns kann es spannend sein, zu einer Person auch negative Einträge zu entdecken, für die betreffende Person kann es an Rufmord grenzen.

So einen Fall gab es im September 2012: Die Ehefrau des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff (Amtszeit bis Februar 2012) Bettina Wulff reichte Klage gegen das Google-Management ein, weil bei Suchanfragen zu ihrem Namen negative Suggests wie „Prostituierte“ oder „Escort“ auftauchten, die irgendwann von der Regenbogenpresse publiziert worden waren. Aufgrund der Klage wurden ab November 2012 acht Suchergebnisse dieser Art aus dem Index gelöscht.

Die Anwälte von Bettina Wulff hatten allerdings über 3.000 solcher Ergebnisse gefunden, deren Löschung sie einforderten. Das geschah nicht. Inzwischen (Stand: 2021) gibt es zwar solche Suggests zu Bettina Wulff nicht mehr, jedoch liegt das offenkundig am Reputationsmanagement des Ehepaars Wulff: Es tauchen nun jüngere Ergebnisse auf, die sich unter anderem auf die Beziehung zwischen den beiden Partnern beziehen, die sich getrennt und wieder versöhnt hatten.

Wer solche Meldungen an die Medien gibt, verdrängt damit frühere Suchergebnisse – eine Methode, die auch viele Unternehmen anwenden, die schon einmal mit schlechter Presse und dementsprechend schlechten Suchergebnissen zu kämpfen hatten. Auch französische Menschenrechtsorganisationen haben schon entsprechende Klagen gegen das Google-Management eingereicht, weil Suggest unpassende Ergänzungen (zum Beispiel „jüdisch“ im Zusammenhang mit einigen Persönlichkeiten) vornahm.

Zu solchen negativen Folgen von Suggest gab es schon im September 2012 eine Studie. Diese zeigte auf, dass sich in der Tat ein Drittel der User an die negativen Suggests zu Personen und Unternehmen durchaus gut erinnern. Um verletzende, diffamierende und hetzerische Ergebnisse einzudämmen, wurde inzwischen bei Suchen nach Personen, Ethnien und Religionsgruppen die Suggestfunktion stark eingeschränkt und in Einzelfällen auch eliminiert. Nutzer können unangemessene Vervollständigungen auch an den Google-Support melden.

Fazit zu Suggest

Die Suggest- bzw. Autocompletefunktion ist durchaus sehr praktisch, hat aber kleine Nachteile. Für die SEO kann sie ergänzend im Rahmen der Keywordrecherche genutzt werden.

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